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Abnehmen

Nie wieder Diät

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich angefangen meine Ernährung umzustellen. Damit meine ich, dass ich meine Ernährung umgestellt und keine Diät begonnen habe.

Damals hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich damit 37 kg abnehmen werde.

Auch wenn es sich seltsam anhört, es war auch überhaupt nicht mein Ziel. Natürlich bin ich jetzt mega glücklich darüber. Keine Frage! Aber so geplant war es tatsächlich nicht.

Im Gegensatz zu den ganzen Crashdiäten, die ich in meinem Leben schon mehr als genügend gemacht habe, wollte ich es diesmal besser machen. Ich wollte gesund, langsam und dauerhaft abnehmen. Ohne zu Hungern, ohne Pülverchen oder Tabletten, ohne Radikalverzicht und vor allem ohne den immer wiederkehrenden Rückschlag mit dem gefürchteten und gehassten Jojo-Effekt.

Aus diesem Grund hatte ich mir zum ersten Mal im Leben kein Abnehmziel gesetzt.

Bisher ging es immer nur darum in kürzester Zeit möglichst viel abzunehmen. Manchmal ist mir beispielsweise im März in den Sinn gekommen bis Anfang Mai 20 kg abnehmen zu wollen. Warum das so war? -ich denke, wenn ich mich endlich dazu motivieren konnte, hatte ich einfach Angst das Ziel nicht zu erreichen. Ich hatte Angst, dass mir irgendwann davor die Puste ausgeht und dann alles um sonst gewesen wäre. Wenn man es sportlich ausdrücken möchte, dann bin ich beim Abnehmen ehr Typ 100 m Läufer als Typ Marathon.

Was man sagen muss: was ich Anfang, das zieh ich auch durch.

Es gibt glaub keine Diät, die bei mir nicht funktioniert hat.

Ich habe es eigentlich immer geschafft abzunehmen. Vier Wochen lang nur einen Joghurt am Tag zu essen? -das schaffe ich! Genauso wie sich über Wochen nur mit Nahrungsergänzungsmittel zu ernähren? -Kein Problem! Die Ergebnisse haben mir auch immer mehr als Recht gegeben und mich beflügelt. Es ist einfach ein unglaublich schönes und fast berauschendes Gefühl, wenn man sieht, dass man in einer Woche 3 kg abgenommen hat. Im Kopf werden die Endorphine nur so raus geschleudert und ich habe angefangen zu träumen: 3 kg in einer Woche, 12 kg dann in 4 Wochen, 24 kg in 8 Wochen und bähm…Traumfigur!

Was ich meinem Körper damit angetan habe, hat mich damals überhaupt nicht interessiert.

Abnehmen hatte für mich die oberste Priorität.

Koste es was es wolle! Warum ich nicht verstanden habe, dass nach dem enormen Abnehmen das noch gewaltigere Zunehmen kommt? -Das kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht, warum es nicht in meinen Kopf rein ging, dass wenn ich so schnell und viel abnehme; ich es nachher wieder alles zurückbekomme und das noch mit einem Päckchen mehr. Ich denke, ich war immer so naiv zu glauben, dass es diesmal anders sein wird. Diesmal werde ich schlank bleiben. Diesmal werde ich vorher die Notbremse ziehen. Diesmal wird es mir nicht passieren.

Was ging an diesem super genialen Plan nur immer schief?

-ich möchte doch nicht mein Leben lang nur Kohlsuppe löffeln. Wer möchte denn für immer auf Nudeln verzichten? Ich kann doch nicht für immer und ewig Eiweiße von Kohlenhydraten trennen oder mich nur noch von Salat ernähren. Und da war immer der Scheidepunkt einer jeden Diät bei mir. Genau da begann bei mir der Teufelskreis.

Ich hatte mein Ziel erreicht und ich habe langsam angefangen wie davor zu essen. So zu essen, wie ich es gewohnt war. Nicht von heute auf morgen. Nein…langsam, schleichend, unbemerkt. Irgendwann war ich an dem Punkt, da habe ich gegessen, wie zu der Zeit vor der Diät. 3 kg in einer Woche abzunehmen war kein Problem für mich. Leider habe ich es auch geschafft in einer Woche 4 kg zuzunehmen. Ich hatte Phasen nach Diäten, in denen ich in 4 Monaten 20 kg zugenommen habe.

Und genau das ist meiner Meinung nach eines der ganz großen Probleme einer wirklich jeden Diät.

Man lernt einfach nicht wie man normal isst. Nach einer Diät weiß man immer noch nicht, was eine gute Portionsgröße für einen ist, man lernt nicht auf sein Sättigungsgefühl zu hören, wo versteckte Kalorienbomben lauern oder wie man mit Heißhungerattacken umgehen kann. Leider ist man nach einer Diät meistens genau so klug wie davor. Einen bewussten Umgang mit dem Essen kann man dabei meiner Meinung nach einfach nicht erlernen.

Eine Diät ist laut Definition der Verzicht von einem oder mehrerer Nahrungsbestandteile.

Man muss sich also selbst die Frage stellen: wie lange kann ich auf dieses Nahrungsmittel verzichten? Möchte ich das überhaupt? Denn wenn dieses Nahrungsmittel tatsächlich dafür verantwortlich ist, dass ich übergewichtig wurde, dürfte ich es ja eigentlich nie wieder zu mir nehmen. Wenn ich damit vernünftig umgehen könnte, dann wäre ich ja theoretisch gar nicht übergewichtig.

Und das ist doch eigentlich Quatsch! Jetzt mal von den ganzen mega disziplinierten Menschen abgesehen. Ich finde, ein Leben ohne Nudeln oder Kuchen oder ein Essen nur zu bestimmten Zeiten macht doch nur halb so viel Spaß. Mir würde da so viel Lebensqualität verloren gehen, dass ich zwischenzeitlich schon davor wüsste, dass ich das nicht durchhalten wollte. Respekt an jeden, der sich sein Leben lang nur von Rohkost ernähren kann oder jede Art von Zucker aus seinem Leben gestrichen hat. Respekt!

Es hat wirklich Jahre oder gar Jahrzehnte gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich so nicht bin!

Seither versuche ich meine Ernährung umzustellen. Ich muss herausfinden auf was ich verzichten kann, was ich reduzieren möchte und was ich auf jeden Fall brauche. Ich möchte aktiv meine eingefahrenen Essgewohnheiten verändern. Im Gegensatz zu einer Diät gibt es hier keine festen Regeln. Ich finde, dass macht es auch etwas schwierig. Wenn ich heute einen Kuchen esse, dann hat das nichts mit cheaten zu tun. Sondern es ist der Versuch einen normalen und gesunden Umgang mit Süßigkeiten zu erlernen. Sogar Paracelsus sagt einst: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“ Diesen Satz versuch ich mir immer wieder vor Augen zu halten. Ich möchte alles essen können, es kommt nun mal immer nur auf die Menge an. Von einem Stück Kuchen ist noch niemand dick geworden. Wenn ich zu dem Kuchen aber noch ein üppiges Mittagessen packe und dann zum Abendessen eine Pizza inkl. Nachtisch mir gönne, dann wird das einfach zu viel.

Es wird ein langer Prozess sein.

Selbst jetzt, ein Jahr nach dem Beginn, tu ich mir noch schwer. Letzten Sonntag gab es Muffins. Eigentlich kein Problem. Das schlechte Gewissen kam aber dann doch nach dem 3. Stück. Ich kann mich nicht immer für die Vernunft entscheiden und mich bremsen. Es ist ein langer Weg. Aber im Gegensatz zu früher, ist das für mich heute kein Grund mehr an meiner Ernährung zu zweifeln oder gar sie zu ändern.

Habe ich in der Vergangenheit während einer Diät gecheatet oder mir mehrfach was gegönnt, dann war`s das für mich mit der Diät. Dadurch, dass mein Körper damals ständig auf Sparflamme gelaufen ist, habe ich die Kuchenstücke am nächsten Tag immer sofort auf der Waage gesehen. Und das war tatsächlich und nicht nur gefühlt so. Es hat sofort angesetzt. Ich gehörte zu den Menschen, die Schokolade nur riechen mussten und zugenommen haben. Ich bin so froh und dankbar, dass das heute nicht mehr so ist. Zumindest lange nicht mehr so extrem. Nach diesem kalorienreichen Sonntag habe ich einfach wieder ganz normal gegessen und weiter gemacht wie am Tag zuvor auch.

Ich denke, dass bei einer Ernährungsumstellung der Weg das Ziel ist.

Es ist meiner Meinung nach hier gar nicht so wichtig, wieviel man abnimmt. Es ist nur wichtig, dass man einen Weg findet, den man dauerhaft gehen kann. Man sollte auf keinen Fall von heute auf morgen auf alles verzichten wollen. Das funktioniert sowieso nicht.

Ich wiege stand heute 71,4 kg. Von einer Idealfigur trennen mich bestimmt noch 10 kg. Diese 10 kg werde ich nicht schaffen! Aber das ist ok. Ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich sagen kann, dass ich auf das verzichte, auf das ich verzichten kann. Ich so viel reduziere, wie es mir möglich ist. Würde ich mehr Lebensmittel aus meinen Leben streichen oder auch nur reduzieren, dann weiß ich heute schon, dass ich das nicht durchhalten würde. Was würde es dann also bringen? Nur, dass ich kurzzeitig schlank bin?

Für viele Menschen sind 71,4 kg verteilt auf 1,66 m alles andere als ideal oder perfekt.

Für mich ist es aber das wohlfühligste Gewicht, dass ich je hatte.

Ich habe es erreicht, weil ich für mich den besten Weg gefunden habe. Einen Weg, den ich hoffentlich noch sehr lange gehen kann. Er wird vermutlich oft steinig sein, er wird mir vieles abverlangen, mich im Kreis gehen lassen oder vielleicht zurückwerfen. Aber ich möchte aus meinen Fehlern lernen und bin bereit weiter zu gehen!