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Mein Leben mit Lipödem

Mein Leben mit Lipödem

Landschaft, Hund, Mann, Frau, Wasser, Strand
Sommer 2015

Heute regnet es ununterbrochen. Es ist kalt, windig und irgendwie wird es nicht richtig hell. Dennoch liebe ich so Tage. In den kühlen Monaten fühl ich mich immer etwas freier als im Sommer. Was mit mir nicht stimmt?! -so einiges! Aber der Grund hierfür ist schon seit Beginn meiner Pubertät in mir verwurzelt.

Als andere noch nicht mal wussten, was Cellulite ist, habe ich sie schon versucht sie zu verstecken. Als andere anfingen kurze Kleider zu tragen, zog ich mir lange Hosen an. „Warum gehst du nicht mit ins Freibad?“, „Heute ist so warm, warum hast du denn einen Pulli an?“, „Du hast wirklich keine einzige kurze Hose?“

Jahrelang habe ich versucht meine dicken Beine und meine Cellulite unter langer Kleidung zu verstecken

Ich habe geschwitzt, geheult, war verzweifelt, habe mich zurückgezogen und nicht hübsch gefühlt. Oft habe ich mich gefragt, warum ich anders bin. Warum habe ich solche Beine? Warum passen sie nicht in die Stiefel? Es kann doch nicht normal sein, dass ich Oberteile in 38 trage und meine Hosen in 42 kaufen muss. Warum sehen bei mir Bootcut-Hosen immer wie SkinnyJeans aus?  Oft dachte ich mir, dass ich auch gerne mal ein Kleid oder eine kurze Hose tragen würde, aber es war mir immer viel zu peinlich.

Es hat Jahre und viele Tränen gekostet bis ich wusste, warum ich anders bin. Ich habe eine Krankheit und diese Krankheit nennt sich Lipödem. Was das ist? -sehr vereinfacht gesagt: eine Fettverteilungsstörung. Sie tritt meist nach der Pubertät auf und kann Beine, Hüfte, Gesäß und Arme betreffen. Leider ist diese Krankheit nicht heilbar. Ich habe deswegen oft schwere Beine und bin an ihnen druckempfindlich. Ich könnte schreien, wenn ich mich nur leicht an etwas stoße oder mich kratzen muss. Wie bei allen Krankheiten gibt es schlechtere aber zum Glück auch bessere Tage! (Möchtest du mehr darüber erfahren? -dann folge dem Link zu Wikipedia Lipödem)

Jahrelang wusste ich weder, dass ich diese Krankheit habe noch, dass es sie überhaupt gibt

Eines Abends rief mich meine Mutter an und meinte ich soll den Fernseher einschalten. Und da waren sie. Frauen, die mir aus der Seele gesprochen haben. Frauen, die mein Spiegelbild hätten sein können. Frauen, die genau so litten wie ich. Ich konnte es erst gar nicht glauben. Immer dachte ich, dass ich halt Pech mit meiner Figur hätte, dass ich es mir nur einbilde, schneller blaue Flecken zu bekommen als andere oder dass ich eben nur empfindlich bin.

Dennoch hat es nochmals Jahre gedauert, bis ich den Mut hatte deswegen zum Arzt zu gehen. Ich hatte Angst davor, dass er mich nicht ernst nimmt und mich nur als fett abstempelt, da ich einen BMI von 40 hatte und somit als sehr adipös galt. Im Netz habe ich sehr viel über das Lipödem gelesen. Leider auch ganz viele traurige Geschichten. Oft wurden die Frauen von den Ärzten belächelt und mit der Aussage weggeschickt, dass sie einfach nur dick seien und Sport machen sollten. Ich wollte auf keinem Fall, dass es mir auch so geht. Aufgrund meiner Leidensgeschichte habe ich leider nicht das größte Selbstbewusstsein und Ablehnung trifft mich immer tief im Herzen.

Also was tun?

Das einzige sinnvolle was mir eingefallen ist, war tatsächlich: abnehmen! Ziel war es unter einen BMI von 30 zu kommen und somit nur noch als gering übergewichtig zu gelten. Gesagt-getan. Okay…so einfach war es dann doch nicht. Es hat fast 7 Monate gedauert bis ich da war, wo ich hinwollte.