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Mein Leben mit Lipödem

Ein Hoch auf meine Kompressions – Strümpfe

Auf den Tag genau sind es zwischenzeitlich 6 Monate wie ich meine Kompressionsstrümpfe bekommen habe. Auch wenn der Anfang etwas steinig war; sie und ich sind mittlerweile richtig gute Freunde geworden. Wie in jeder guten Freundschaft gibt es natürlich auch hier immer wieder kleinere Streitigkeiten. Das ist aber glaube ich ganz normal und am Ende hat man sich doch lieb.

An die Tatsache, dass die Strümpfe direkt auf den Reiterhosen enden, werde ich mich glaub niemals gewöhnen können.

Es ist praktisch jeden Morgen ein Kampf. Ich frage mich dabei auch immer, wer das verbrochen hat?! Das kann doch nicht denen ihr Ernst sein?!

Wenn man etwas Wabbeliges am höchsten Berg abschnürt, dann muss doch der Rest unweigerlich, dank der Schwerkraft, über die Verengung nach unten schwappen.

Leider ist meine Sanifee da wirklich keine Hilfe. Auch wenn sie sonst nett und bemüht ist, dazu meinte sie nur lapidar: dann muss man halt etwas Längeres darüber ziehen! Laut ihrer Aussage würde ich keine Strumpfhose oder einen Zweiteiler von der Krankenkasse genehmigt bekommen, da man erst nachweisen müsste, dass das Lipödem sonst nach oben Richtung Bauch wandern würde.

Ich bin ja wirklich kein eitler Mensch, aber das verkrafte ich bis heute nicht so richtig. Von einem knackigen, kleinen Hintern bin ich so weit entfernt wie die Spitze vom Mount Everest zum Boden des Mariannengrabens. Aber wenn dann dieses Körperteil noch extra betont wird, dann wird es selbst mir zu viel. So gerne würde ich hier schreiben, dass ich eine super tolle Lösung für das Problem gefunden habe. Habe ich aber leider nicht! -Aber hey! Was soll`s!? Ich weiß es gibt schlimmeres und das ist jammern auf hohem Niveau!

Und eins darf man bei der ganzen Lästerei auch nicht vergessen:

Selbst, wenn die Kompressionsstrümpfe an den Reiterhosen das Schlimmste zum Vorschein bringen; überall anders shapen sie weg was nur geht! Meine Beine wirken im Ganzen viel schlanker und fester.

An den Knieinnenseiten habe ich Fettschürzen, die dafür sorgen, dass man meine Kniee eigentlich gar nicht richtig erkennt. Es ist als ob der Oberschenkel direkt auf den Waden aufsitzt. Der Mittelteil ist gänzlich nicht erkennbar. Die Kompressionsstrümpfe formen an der Stelle so unglaublich gut, dass ich mir ernsthaft überlege im kommenden Sommer kurze Hosen darüber zu tragen. Ich weiß, jetzt werde ich mutig! Aber was soll ich sagen?! So schön-aussehende Beine habe ich noch nie gehabt! Man kann tatsächlich ansatzweise Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und sogar etwas die Fesseln erkennen. Bis dato hatte ich immer Wöchel. Kennst du das? Wöchel sind Waden ohne Knöchel (ich denke auf dem Foto hier, kann man ganz gut erkennen was ich meine).

Wie du siehst: Ich liebe meine Strümpfe! Sie haben mir ein ganz neues Lebensgefühl gegeben von dem ich vorher nicht mal was geahnt hatte. Damit meine ich jetzt nicht nur, dass sie mir ein schöneres Aussehen geben.

Bis dato dachte ich immer, dass meine Schmerzen gar nicht so schlimm sind und die müden, spannenden Beine am Abend waren für mich auch ganz normal. Ich kannte es ja auch nicht anders. Erst jetzt habe ich verstanden, wie sehr ich darunter gelitten habe.

Seitdem ich die Strümpfe trage, fühl ich mich leichter

Auch wenn es sich komisch anhört, es ist als ob man schlagartig abgenommen hätte. Wenn ich sonst gelaufen bin, dann hatte ich immer eine innere Trägheit die mit jedem Schritt überwunden werden musste. Treppensteigen, Laufen sogar sitzen war für mich immer drückend. Dank den Strümpfen ist das einfach weg! An den ersten Tagen oder auch Wochen wie ich die Strümpfe hatte, hatte ich einen riesigen Bewegungsdrang. Ich hatte ein Gefühl, dass ich vorher nicht kannte. Die Schritte waren nicht nur leichtfüßig, sondern entspannt, unbehindert, frei.

Davor wusste ich abends manchmal gar nicht, wie ich sitzen oder liegen soll. Meine Beine haben gespannt, gejuckt und gepocht.  Ich habe nie eine Position gefunden, die ich dauerhaft als angenehm empfunden habe. Ich denke, man kann es vergleichen, wie wenn man auf Brotkrümeln liegt. Kurzzeitig findet man Ruhe, aber irgendwann fängt es dann doch wieder an zu beißen.

An Tagen, an denen ich viel gestanden oder gelaufen bin, war es besonders schlimm. Wenn ich mich abends dann hingesetzt habe, konnte ich mich kaum aufraffen wieder aufzustehen.

Ich hatte das Gefühl, als ob meine Beine in Beton gegossen wären

Wenn ich jetzt sagen würde, dass das alles komplett verschwunden ist, ich nie Tage mit Schmerzen hätte oder mit geschwollenen schweren Beinen, dann würde ich lügen. Es ist aber so, dass mein Leben mit den Kompressionsstrümpfen fühlbar besser geworden ist. Auch wenn ich mich jetzt wiederhole, aber ich liebe sie!

Es gibt bei mir, genauso wie bei allen anderen, Tage, an denen ich morgens echt richtig müde und faul bin. Tage an denen ich keinen Bock habe aufzustehen und schon gar nicht meine Strümpfe anzuziehen. Es ist ja nicht so, als ob man sie sich kurz überwirft. Ich finde, dass ist richtige schwere Arbeit. Hier ziehen, da zupfen und dort kleben. Auch wenn ich zwischenzeitlich geübt bin, das ist für mich keine Sache von 2 Minuten. Am liebsten würde ich sie morgens manchmal einfach weglassen.

Engelchen links, Teufelchen rechts

Letztendlich werde ich spätestens am Abend dafür abgestraft, wenn ich gegen meinen inneren Schweinehund verloren hab. Natürlich ist es bei mir auch schon vorgekommen, aber ich habe es immer mehr als bereut und meine Rechnung dafür bekommen.

Ich habe schon so oft in Foren oder Facebook-Gruppen gelesen, dass es für so viele eine Qual ist, die Strümpfe zu tragen. Mir tut das immer sehr, sehr Leid. Denn für mich ist es ein super schönes und mega angenehmes Gefühl.

Ich bin dankbar dafür, dass ich sie habe. Sie haben mein Leben mit Lipödem erträglicher gemacht.